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Beckenring

 

Beckenringverletzungen entstehen überwiegend durch Kräfte in 3  Hauptvektorrichtungen:
=> in sagittaler Richtung durch vordere oder hintere Beckenkompression mit Aufklappen des Beckenringes unter Außenrotation der  Beckenhälften
=> in frontaler Richtung durch laterale Beckenkompression mit  Eindrücken des Ringes unter Innenrotation der getroffenen Beckenhälfte
=> in  längsaxialer Richtung durch vertikale Abscherung unter Rotation der Beckenhälfte um eine quere (frontal verlaufende) Achse

Zur Zerstörung der kräftigen Knochen- und Bandstrukturen des Beckens ist eine erhebliche Gewalteinwirkung notwendig, daher resultiert meist eine schwere Verletzung des betroffenen Weichteilmantels.
In den Unfallursachen führen:
=>60% Verkehrsunfälle
 =>30% Sturz aus großer Höhe
=>10% Quetschungen und Verschüttungen
 

B.1

Klassifikation
Beckenringfraktur Typ A

Frakturen  der Beckenschaufeln, isolierte Abrisse der spinae und alleinige Frakturen der  Schambeinäste sowie Querbrüche des Sacrums
Verletzungen ohne rotatorische und/oder vertikale Instabilität

Beckenringfraktur Typ B
vertikal stabile, aber rotationsinstabile Verletzungen: "open-book"; laterale Kompressionsverletzungen mit Innenrotationsfehlstellungen

Beckenringfraktur Typ C rotatorisch und  vertikal instabile Verletzungen; die verletzte Beckenhälfte zeigt eine  Vertikalverschiebung mit Rotation, Fraktur/Zerreißung des vorderen Beckenringes,  des vorderen und hinteren sacro-iliacalen Komplexes

Verschiedene,  nicht klar zuzuordnende Verletzungen des Beckenringes
=>komplexe Beckenquetschungen, meist nach breitflächig und langanhaltenden zermalmenden Gewalteinwirkungen, die häufig groteske Dislokationen mit hochgradiger Instabilität hinterlassen
=>die vor allem bei Motorradunfällen zu beobachtende "Straddle"-Verletzung mit einer Gewalteinwirkung über den Damm und einer Rotation der Beckenhälften um die Sagittalachse des Körpers
=>die doppelseitige  Iliosakralfugensprengung (Perisakrale Luxation des Beckens)
 

 

B.2

Begleitverletzungen
Blutungen

"große" Gefäßverletzungen der Beckenetage mit retroperitonealen Blutungen, Blutungen aus den venösen Plexus (präsakral/prävesikal), aus den arteriellen Kollateralen sowie aus den Bruchflächen der spongiösen Fragmente

Verletzung der Harnwege und Genitalorgane
Blasenrupturen (extra- und intraperitoneal),

Rektum-  und Analläsionen

offenes oder geschlossenes Decollement der Weichteile durch tangentiale Schermechanismen

Nervenverletzungen im Bereich der Nervenwurzeln der  cauda equina, des plexus lumbosacralis und der peripheren Nerven durch Traktion  oder dislozierte Knochenfragmente

Berstung der Bauchhöhle durch Überoll- und Quetschtraumen mit akuter Drucksteigerung in der Bauchhöhle
 

B.3

Notfallmaßnahmen am  Unfallort
Stabilisierung von Vitalfunktionen
Analgesie, Volumensubstitution und Beatmung
orientierende klinische Untersuchung zur Erfassung einer Beckeninstabilität Lagerung auf einer Vakuummatratze zur  Immobilisation und mechanischen Kompression des Beckenringes
 

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