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Erstbeurteilung/Anamnese:

· Unfallhergang, verletzendes Agens, Verletzungsrichtung (wichtig besonders bei Stich- und Schusswunden)
· Blutverlust einschätzen (Unfallort und Transport, vergangene und benötigte Zeit)

Orientierende Diagnostik

mit Hilfe von Inspektion und Funktionsprüfung
Geschlossene Verletzung: Aussehen des schmerzhaften Gebietes (Deformation/Schwellung/Hautverfärbung), Palpation
· Fehlstellung? Bild1 Bild2
· aufgehobene Funktion?
 

Offene Verletzungen/Wunden:
Wundaussehen: Wundränder (glatt, zerfetzt, gequollen, verschmutzt)
Verschmutzung: Art (z.B. Erde, Gras, Kleiderfetzen)
Ausmaß: oberflächlich/tief, gering/hochgradig
Tiefe Wunde: Faszie, Muskel-, Sehnen-, Gefäß- oder Nervenstümpfe? In Gelenknähe oder bei Gelenkbeteiligung: Knorpel, Knochen oder Fremdkörper?
Umgebung: Schwellung, Schürfung, Kontusion, Rötung, Blasenbildung
 

Periphere Kontrollen:
* Motorik: aktive Beweglichkeit der Gelenke überprüfen (Innervation, Muskel-/Sehnenverletzung, Frakturen?)
*Sensibilität
*Zirkulation: Hautfarbe, -temperatur, Arterienpulse

Gefäßverletzung

Ergänzendes
Umschnürungen/Abbindungen entfernen.
Pneumatische Manschette anlegen, Aufpumpen nur bei manifester Blutung.

Die Diagnose
Schnitt-, Hieb-, Rissquetsch-, Schürf-, Biss-, Schusswunde mit ...(Begleitverletzung angeben)
* Gefäßverletzung
* Sehnenverletzung
* Nervenverletzung
Offene Fraktur
 

Klassifikation der offenen Frakturen (Gustillo und Anderson)
Grad I
Hautwunde nicht größer als 1 cm, nicht verschmutzt, Durchspießung von innen, minimale Muskelkontusion, einfache Quer- oder kurze Schrägfraktur
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Grad II
Wunde größer als 1 cm, ausgedehnter Weichteilschaden mit Lappenbildung oder  Decollement, mittelgradige Muskelquetschung, einfache Quer- oder kurze Schrägfraktur mit kleiner Trümmerzone
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Grad III
Ausgedehnter Weichteilschaden mit Zerstörung von Haut, Muskel und neuro- vaskulären Strukturen, Hochrasanztrauma mit schwerer Gewebsquetschung
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Sonderfall Hand
Wundinspektion/Funktions- und Sensibilitätsprüfung/Beurteilung, ob Ischämie vorliegt
Vor einem Entscheid telefonische Rücksprache und Organisation des raschestmöglichen, zweckmäßigen Transportes. Die verletzte Hand und etwaige Amputate werden entsprechend den Anweisungen des Zentrums versorgt.

Replantationsindikationen

Amputatversorgung: einwickeln in feuchte Kompressen physiologische Lösung), Einpacken in wasserdichten Plastikbeutel (kein Kontakt von Eis und Haut!), diesen in Eiswasser=4°C=kalte Ischämie (Überlebenszeit bis zu 20 Stunden)

Versorgung des Amputationsstumpfes: Blutstillung mit Druckverband, keine Klemmen, keine Ligaturen

Wundbehandlung und Blutstillung

Unabhängig von der Wundausdehnung und dem Grad der Wundverschmutzung hat schnellstmöglich eine sterile Abdeckung zu erfolgen, die Anwendung von Desinfektionsmitteln hat zu unterbleiben. Bei Blutungen ist ein komprimierender Verband anzulegen, bei günstiger Lokalisation können stärkere Blutungen durch eine Blutsperre (breite Blutdruckmanschette und Drücke über 350mmHg) kontrolliert werden.

Extremitätenfrakturen

Bei klinisch diagnostizierten Frakturen erfolgt die Reposition durch Längszug und  achsengerechtes Ausrichten der betroffenen Extremität; dadurch werden die  Weichteile vom Druck entlastet sowie eine Schmerzreduktion durchgeführt:
auch bei offenen Frakturen hat diese Maßnahme Vorrang vor der bestehenden Möglichkeit, dass (meist apathogene) Gelegenheitskeime in die Tiefe der Wunde  gelangen.

Die Weichteilwunde wird bei offenen Frakturen mit sterilem Verbandmaterial abgedeckt.
Der Notarzt muss die Wunde gegenüber dem weiterbehandelnden Chirurgen beschreiben können: eine einmal steril abgedeckte offene Fraktur darf erst wieder vor der definitiven Versorgung im Operationssaal eröffnet werden. Die Bekämpfung des Frakturschmerzes erfolgt zum einen mit der Reposition und Ruhigstellung der Fraktur mittels Schiene oder Vakuummatratze, zum anderen mit der Verabreichung von ausreichend Analgetika und unterstützenden Sedativa.
Damit wird die Kette über die vasomotorische Dysregulation zu einer  Verstärkung der Schocksymptomatik unterbrochen.

Luxationsfrakturen/Luxationen

Wird beim Versuch  der Reposition vor allem gelenknaher Fehlstellungen bemerkt, dass die Extremitätenfehlstellung eine federnd fixierte ist, handelnd es sich mit Wahrscheinlichkeit um eine Luxation.
Hier sind weitere Repositionsversuche  einzustellen, die Extremität wird in ihrer federnd-fixierten Fehlstellung unterpolstert gelagert.
Ausnahmen sind hier die Luxationsfrakturen des Sprunggelenkes: hier muss die Reposition erfolgen, um eine Vergrößerung des  Weichteilschadens durch die Fehlstellung zu vermeiden.


Hüftgelenksluxation (Schema der möglichen Luxationsformen)
*Entstehung durchmassive Gewalt
*federnd fixierte Fehlstellung des Beines in IRO oder ARO bei reiner Luxation (hintere/vordere)
*Reposition dringlich
*Begleitverletzungen: Frakturen am Femurkopf, Frakturen am hinteren Pfannenrand, Ischiadicusverletzungen, Gefäßverletzungen selten
*Untersuchungen: periphere Zirkulation, protokollarische Feststellung der Ischiadicusfunktion

 Patellaluxation

 Kniegelenksluxation

 Talusluxation

 Luxation im Chopart- und Lisfranc-Gelenk

 Luxation des Oberarmkopfes, Schema der möglichen Luxationsformen

 Luxation im Ellbogengelenk

 Luxation im Handgelenk


 

Amputationsverletzungen

Amputationswunden  werden steril und unter Kompression abgedeckt, das Amputat soll (wenn immer möglich) geborgen und in einem Replantationsbeutel in die Klinik mitgebracht  werden.
Auf keinen Fall dürfen Gefäße am proximalen Amputationsstumpf mit  Klemmen versorgt werden, da diese eine spätere mikrochirurgische Anastomose  unter Umständen unmöglich machen.

Bilder

 

Pfählungsverletzungen

Die pfählenden Gegenstände sollen in der (den) Wunde(n) belassen werden, da die sichere Beurteilung des  Verletzungsausmaßes in der Tiefe (Gefäße??) nicht beurteilt werden kann. Sie sind vor der Bergung des Verletzten zu durchtrennen und in situ  mitzutransportieren.
Ihre Entfernung und die Revision der Pfählungswunde sind operativ in der Klinik vorzunehmen.

Bilder

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