Startseite
Erstversorgung
WirbelsÀule
Beckenring
ExtremitÀten
Schluss
WirbelsÀule

Die Verletzung der WirbelsĂ€ule entsteht in der Mehrzahl der FĂ€lle durch  indirekte Gewalteinwirkung mit Stauchung und Flexion, in den FĂ€llen schwererer Verletzungen auch mit Rotation. Das RĂŒckenmark ist in 15-20% der FĂ€lle mitbeteiligt.
Ursache fĂŒr die WirbelsĂ€ulenverletzungen sind in etwa 50%  VerkehrsunfĂ€lle (Fahrzeugkollisionen verursachen multidirektional wirkende stumpfe Krafteinwirkung mit möglicherweise gleichzeitig wirkenden  Hyperextension/Hyperflexions- und Rotationsbewegungen), in 20% ArbeitsunfĂ€lle  (Sturz aus großer Höhe), gefolgt von Sport- und BadeunfĂ€llen  (Stauchungsverletzung der HWS beim Kopfsprung ins flache Wasser), sowie in etwa  6% durch Selbsttötungsversuch.
Die Diagnose einer WirbelsĂ€ulenverletzung am Unfallort ist schwierig; Sefrin berichtet, dass 90% der klinisch diagnostizierten  WirbelsĂ€ulenfrakturen notĂ€rztlich nicht erkannt wurden.
Weiter wird hier berichtet, dass bis zu 25% der QuerschnittslĂ€hmungen erst durch ungeeignete  Versorgung am Unfallort entstehen oder auf dem Transport.

Der Verdacht auf eine Verletzung der WirbelsĂ€ule ergibt  sich aus dem Vorliegen schwerer und klinisch unbedingt erkennbarer Verletzungen auf der jeweiligen WirbelsĂ€ulenetage:
· das schwere SHT, vor allem in  Kombination mit Mittelgesichtsverletzungen bringt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer latenten HWS-Verletzungen (Hyperextensions- oder Hyperflexionsmechanismen)
· das schwere Thoraxtrauma ist meist assoziiert von  einer BWS-Verletzung
· Abdominaltraumen sind hÀufiger auch von Verletzungen der LWS begleitet
 

W.1

Anamnese
*Schmerzangaben in einem WirbelsÀulenabschnitt, entweder spontan oder auf Befragen. LÀsst der Schmerz durch schonende Palpation der WirbeldornfortsÀtze nÀher lokalisieren?
*ParĂ€sthesien: Angaben des Verletzten gezielt ergĂ€nzen: seit wann aufgetreten? Niveau der SensibilitĂ€tsstörungen gleichzeitig mit der Motorik protokollieren; anfĂ€nglich engmaschige Verlaufskontrollen zur frĂŒhzeitigen Erfassung einer Aszendierung/Komplettierung
*LĂ€hmungen: bei einer RĂŒckenmarkslĂ€sion spĂŒrt der Verletzte augenblicklich am Unfallort neben dem lokalen Schmerz die motorischen und sensorischen AusfĂ€lle; diesen Zeitpunkt des Erstauftretens protokollieren!

*Falls vom Verletzten keine Angaben erhÀltlich, symmetrische Schmerzreize an den Innenseiten der Oberarme und Oberschenkel setzen zum Ausschluss einer QuerschnittslÀsion

Untersuchung
Erste  Ă€ußere Hinweise auf die SchĂ€digung der WirbelsĂ€ule ergeben sich aus der  Eruierung des Unfallmechanismus, aus Ă€ußeren Verletzungszeichen wie HĂ€matome,  SchĂŒrf- und/oder Prellmarken.
Beim bewusstseinsklaren Verletzten lassen ein Druck-/Klopfschmerz ĂŒber den DornfortsĂ€tzen oder (eher selten!) entsprechende Deformierungen (Stufen-/Gibbusbildungen) an eine Verletzung der WirbelsĂ€ule denken.
Motorik
SensibilitÀt
Reflexstatus
Kennreflexe
Atmung: Interkostalmuskulatur. Beachte: bei Bewusstlosen ist die paradoxe Zwerchfellatmung ein Indiz fĂŒr eine Tetraplegie oder eine hohe Paraplegie 

Das Fehlen von neurologischen Symptomen schließt eine WirbelsĂ€ulenverletzung nicht aus!

Behandeln Sie bei entsprechendem Unfallhergang: Decelerationstrauma, Sturz/Sprung aus grĂ¶ĂŸerer Höhe jeden Verletzten wie einen WirbelsĂ€ulenverletzten!



QuerschnittslÀsion

Motorik: Bewegungen von Armen und Beinen; Eigenreflexe im frischen Stadium unterhalb der LĂ€sion erloschen!
Die sensible Versorgung des oberen Thoraxanteils gehört bis unterhalb der Clavicula zu den Halsmarksegmenten. Eine exakte Trennung der Dermatome aus dem Halsmark und dem Thorakalmark gelingt  ausschließlich im Bereich von Unterarm und Hand mit dem neurologischen Kontrolldreieck
.
Als weitere Markierungspunkte gelten die Brustwarzen im  Dermatom Th4, der Bauchnabel in Th10 und die Leistenregion in L1.
Der sensible Streifen L4 verlĂ€uft ĂŒber dem Innenknöchel, der von S1 ĂŒber dem Außenknöchel. 
Sakrale Aussparung (S3-S5): jede zu Beginn vollstÀndig erscheinende QuerschnittslÀsion bedarf der sorgfÀltigen Kontrolle des Ano-Genital-Bereiches: besteht hier noch irgendeine SensibilitÀt, so ist die LÀsion inkomplett und damit die Möglichkeit einer neurologischen Verbesserung vorhanden

.

W.2

Bergung und Lagerung
Besteht aufgrund von Unfallhergang oder neurologischen Störungen der Verdacht auf eine WirbelsĂ€ulenverletzung, so mĂŒssen beim Bergen und Umlagern des Verletzten Bewegungen der WirbelsĂ€ule vermieden werden.
Der Verletzte sollte unter kontinuierlichem LĂ€ngszug in der Körperachse gehalten und von mehreren  Helfern angehoben werden, wobei eine Verdrehung und Ventralflexion zu vermeiden sind.
Die HalswirbelsĂ€ule wird durch eine feste Krawatte geschient unter Anwendung des Halsschienengriffes. Zur Lagerung auf eine Vakuummatratze kann der Schaufel- oder BrĂŒckengriff zur Anwendung kommen, wozu vier bis fĂŒnf Helfern notwendig sind.

Bergung und Lagerung mit 3 Helfern


W.2.1

Helmabnahme bei Zweiradfahrern
Die Helmabnahme geschieht durch zwei Helfer: nach Öffnen des  Visiers werden zunĂ€chst vorhandene GegenstĂ€nde (Brillen o.Ă€.) entfernt, dann wird der Kinnriemes geöffnet. Unter LĂ€ngszug an der HWS wird der Helm leicht  nach hinten verkippt, ĂŒber die Nase geschoben und nach oben weggezogen

.

W.2.2

Transportlagerung
FĂŒr den Transport von  Patienten sollte ausschließlich die Vakuummatratze zur Immobilisierung zur  Anwendung kommen. Der so gelagerte Patient wird mit der Schaufeltrage angehoben  und transportiert; verboten ist das Anheben eines Patienten in einer Vakuummatratze ohne darunter befindliche Trage!

Transportlagerung

Klassifikation der Wirbelfrakturen

[Startseite] [Erstversorgung] [WirbelsĂ€ule] [Beckenring] [ExtremitĂ€ten] [Schluss]